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🔗🌟 Dirty Talk im Alltag: Wie ihr eure eigene Sprache findet
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Dirty Talk hat ein Imageproblem.
Viele denken sofort an übertriebene Sätze, an Pornos, an Worte, die irgendwie nach zu viel klingen. Zu laut. Zu hart. Zu unecht. Als müsste man plötzlich eine Rolle spielen, nur weil man Lust nicht mehr nur fühlen, sondern auch aussprechen will.
Dabei war genau das einer der spannendsten Punkte in meinem Gespräch mit Sinan Huemer: Dirty Talk beginnt oft gar nicht mit den ganz großen Sätzen. Sondern viel früher. Viel unspektakulärer. Fast leise. Bei einem Blick. Einer Nachricht. Einem Kommentar im Vorbeigehen. Oder bei diesem einen Satz, der nichts performen will und gerade deshalb trifft.
Dirty Talk muss nicht sofort dirty sein
Was in der Folge sehr klar wurde: Viele suchen nach der perfekten Formulierung, fast wie nach einem kleinen Spickzettel. Was kann ich sagen. Wie sage ich es. Welche Wörter funktionieren. Diese Suche ist total verständlich. Gleichzeitig liegt genau da oft der Denkfehler. Denn erotische Sprache funktioniert selten dann am besten, wenn sie möglichst sexy klingen soll. Sondern dann, wenn sie wahr klingt.
Sinan hat es ziemlich schön auf den Punkt gebracht: Guter Dirty Talk entsteht oft aus dem, was man wirklich gerade tun würde oder wirklich gerade empfindet. Nicht aus einer Fantasie, die aus einem Porno geliehen wurde und in dem Moment gar nicht zum Setting passt. Wenn in der Küche das Kind frühstückt, ist es eben etwas anderes, als eine BDSM-Szene zu beschreiben. Beides kann sexy sein. Aber nicht alles passt in jeden Augenblick.
Und ehrlich, das ist fast schon erleichternd. Weil es Druck rausnimmt.
Du musst nicht mit einem perfekten Satz starten. Du kannst auch einfach sagen:
Du siehst gerade unfassbar gut aus.
Ich mag, wie du da stehst.
Wenn du wüsstest, was gerade in meinem Kopf los ist.
Das ist kein kleiner Einstieg. Das ist der Einstieg.
Der eigentliche Anfang ist Gefühl, nicht Wortwahl
Ein weiterer Gedanke, der hängen bleibt: Viele Menschen trennen Sprache und Gefühl. Sie überlegen erst, was sexy klingt, statt kurz zu schauen, was gerade da ist.
Was sehe ich.
Was löst mein Gegenüber in mir aus.
Was will ich gerade wirklich.
Wenn man da anfängt, verändert sich automatisch auch die Sprache. Dann wird sie weniger aufgesetzt. Weniger wie auswendig gelernt. Weniger wie Fremdsprache mit Schweißausbruch. Und sehr viel näher an dem, was zwischen zwei Menschen tatsächlich passiert.
Das kann ein direkter Wunsch sein. Oder eine Beobachtung. Oder einfach ein Satz, der Begehren andeutet, ohne gleich die ganze Nacht durchzuchoreografieren. Genau deshalb fand ich die Folge so angenehm bodenständig. Es ging nicht um Show. Es ging um Kontakt.
Die meisten kopieren Sprache, die gar nicht ihre ist
Einer der stärksten Punkte im Gespräch war für mich dieser: Viele übernehmen erotische Sprache, die eigentlich gar nicht zu ihnen passt. Aus Pornos. Aus Büchern. Aus Content. Aus irgendeinem Bild davon, wie Dirty Talk angeblich zu klingen hat. Und wundern sich dann, warum es sich cringe anfühlt.
Das Problem ist oft nicht, dass jemand schlecht in Dirty Talk ist. Sondern dass er oder sie versucht, in einer Sprache zu sprechen, die innerlich gar nicht andockt.
Der eine liebt Worte wie Schwanz und Pussy.
Die nächste Person kann damit gar nichts anfangen.
Wieder jemand anderes mag anatomische Begriffe.
Und für manche kippt genau das sofort in sterile Arztpraxis.
Es gibt nicht die eine richtige Lingo. Es gibt nur Wörter, die zu euch passen. Oder eben nicht.
Findet eure eigene Sprache. Gemeinsam.
Das ist vermutlich der nützlichste Satz der ganzen Folge: Findet eure eigene Sprache.
Nicht die Sprache von anderen. Nicht die Sprache aus Pornos. Nicht die Sprache, von der ihr glaubt, dass sie sexy sein müsste. Sondern die, die sich in eurem Mund und in eurem Körper richtig anfühlt.
Und ja, das ist ein Prozess. Kein Zaubertrick.
Man probiert Wörter aus. Man lacht. Man merkt, was gar nicht geht. Man stolpert. Man findet etwas albern. Dann plötzlich funktioniert ein Ausdruck, den man nie auf dem Zettel hatte. Genau darin liegt ja die ganze Bewegung. Sprache wird nicht am Reißbrett sexy. Sie wird sexy, wenn sie mit Erfahrung, Humor, Kontext und Wiederholung aufgeladen wird.
Baby Steps statt Vollgas
Was ich an der Folge besonders mochte: Niemand tut so, als müsste man sofort komplett loslegen.
Wenn es schwerfällt, etwas direkt auszusprechen, fangt kleiner an. Mit Sexting. Mit einer Nachricht. Vielleicht sogar mit einem Satz, den man erst mal aufschreibt. Dann vorliest. Dann beim nächsten Mal freier sagt. Nicht elegant. Aber machbar.
Eine Nachricht wie:
Wenn du wüsstest, was gerade in meinem Kopf los ist.
Oder:
Ich würde dich gerade wirklich gern küssen.
Oder, wenn ihr schon weiter seid:
In meinem Kopf sitzt du gerade nicht auf dem Sessel, sondern auf meinem Gesicht.
Das Entscheidende ist nicht, wie advanced der Satz klingt. Entscheidend ist, dass er euch in Bewegung bringt. Weg vom Schweigen. Weg vom Overthinking. Rein ins echte Ausprobieren.
Benennt eure Körper. Wirklich.
Ein Punkt, der viele beschäftigt und in der Folge entsprechend viel Raum bekam: Wie nennt man eigentlich die eigenen Geschlechtsteile. Und wie nennt man die des anderen.
Klingt banal. Ist es aber nicht.
Denn genau da sitzen oft Scham, Prägung, Humor und Geschmack. Lisa erzählt zum Beispiel, dass sie für ihre Vulva im privaten Kontext auch das Wort Stinkemuh benutzt, gerade weil es Scham rausnimmt und einen entspannten, unaufgeregten Zugang zum eigenen Körper schafft. Gleichzeitig ist auch da klar: situationsbedingt kann dasselbe Körperteil ganz unterschiedlich heißen. Und genau das ist der Punkt. Nicht jeder Begriff passt immer.
In der Folge fallen dann jede Menge Begriffe, von klassisch bis komplett absurd. Möse, Fischbrötchen, Lustschlucht, Pink Taco, Pläumchen, Feige, Fellnase, Schwanzgarage, Lustgrotte, Food, Spalte, Scheide. Und je länger man zuhört, desto klarer wird: Es geht weniger darum, die “besten” Wörter zu finden, als herauszufinden, was bei euch hängen bleibt. Was sich stimmig anfühlt. Was euch lachen lässt. Was euch anmacht. Und was ganz klar rausfliegt.
Situationsbedingt ist kein Ausweichen, sondern Intelligenz
Vielleicht einer der reifsten Gedanken aus dieser Folge: Sprache ist kontextabhängig.
Was im Alltag funktioniert, funktioniert nicht automatisch in einer härteren Szene. Was in einem BDSM-Setting heiß sein kann, wäre in einer zarten Situation komplett daneben. Was im Medical Play funktioniert, kann in einem normalen Flirt unfassbar unsexy wirken. Ein Wort ist nicht absolut gut oder schlecht. Es lebt davon, wo, wie und mit wem es benutzt wird.
Und genau deshalb ist es so wichtig, diese Gespräche nicht erst mitten im Moment zu führen. Sondern auch mal bei Tageslicht. Ohne Druck. Ohne Ziel. Einfach, um gemeinsam zu schauen:
Welche Wörter mögen wir.
Welche triggern uns eher raus.
Welche fühlen sich heiß an.
Welche sind zu hart, zu niedlich, zu englisch, zu klinisch oder einfach gar nicht unser Ding.
Redet vorher. Und auch danach.
Das ist vielleicht der praktischste Beziehungstipp in der ganzen Folge.
Wenn ihr Lust habt, mehr Sprache in eure Intimität zu bringen, sagt das. Nicht dramatisch. Nicht als Problem. Sondern eher wie ein gemeinsames Spielfeld. Sinan formuliert das sehr schön über den Gedanken, man könne ja “gemeinsam daran feilen”, statt so zu tun, als müsste man Dirty Talk jetzt erst mal komplett neu lernen. Schon dieser kleine sprachliche Unterschied macht etwas. Er nimmt Scham raus und lädt Zusammenarbeit ein.
Und danach? Danach bitte auch reden.
Wie war das für dich.
Was kam gut an.
Was war vielleicht ein bisschen drüber.
Was hatte weniger mit mir zu tun als mit Timing oder Tonfall.
Solche kleinen Feedbackschleifen sind Gold wert. Weil sie verhindern, dass ein missglückter Satz sofort zum inneren Beweis wird, man könne das alles nicht. Vielleicht war es einfach nur der falsche Moment. Der falsche Ausdruck. Oder ein Hund, der gerade auf den Teppich gekackt hat. Passiert.
Das Ganze darf auch lustig sein
Vielleicht mein Lieblingsaspekt an eurem Gespräch: Es ist nicht verkrampft. Überhaupt nicht. Es ist warm, direkt, ein bisschen irre an den besten Stellen und gerade deshalb hilfreich.
Weil natürlich wird man lachen. Natürlich wird etwas mal schräg klingen. Natürlich gibt es Wörter, bei denen man kurz aus dem Moment fällt und denkt, okay, wow, nein. Aber genau dieses gemeinsame Lachen kann ja auch Nähe herstellen. Nicht jede Form von Erotik muss geschniegelt, ernst oder perfekt inszeniert sein. Humor ist nicht das Gegenteil von Lust. Ganz oft ist er ihr Türöffner.
Mein Fazit
Dirty Talk im Alltag ist am Ende keine Performance-Frage. Es ist eine Beziehungsfrage. Eine Sprachfrage. Und oft auch eine Mutfrage.
Wie ehrlich kann ich sagen, was ich sehe, was ich will, was ich fühle.
Wie sehr traue ich mich, dabei nicht geschniegelt zu klingen.
Wie gut schaffen wir es, gemeinsam eine Sprache zu finden, die nicht borrowed ist, sondern unsere.
Und vielleicht ist genau das die schönste Nachricht dieser Folge: Ihr müsst nicht sofort liefern. Ihr müsst nur anfangen.
Mit einem Wort.
Mit einer Nachricht.
Mit einem Satz, der noch ein bisschen wackelt.
Der Rest kommt dann nicht perfekt. Aber lebendig. Und das ist sowieso meistens heißer.
Mehr dazu
Wenn du tiefer in das Thema Synonyme, Sprachgefühl und unterschiedliche Begriffe für Geschlechtsteile eintauchen willst, verlinke hier deinen Artikel:
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Bio Sinan Huemer
Sinan Huemer kommt aus Oberösterreich und bezeichnet sich selbst als holistischen Callboy. Er ist ausgebildeter Tantra-Lehrer, arbeitet mit Tantra-Massagen und hat einen Escort-Zugang entwickelt, der von bewusstem Tantra bis hin zu härteren BDSM-Kontexten reicht. Sein Fokus liegt vor allem auf weiblicher Sexualität und auf Räumen, in denen Frauen ihr sexuelles Ich entdecken und erleben dürfen. Online findet man ihn unter seinem Arbeitspseudonym Viking Tantra, darunter auch mit eigener Website, Instagram-Präsenz und Podcast.
Webpage: www.vikingtantra.com
Podcast: https://www.vikingtantra.com/viking-tantra-podcast
Instagram: @vikingtantra
Die ganze Folge hören:
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